Carcosa-Stiftung

KingInYellow4. Oktober 2026other

PERSONALABTEILUNG

BEWERBUNGSGESPRÄCHS-PROTOKOLL

Vorgangsnummer: CF-P/27-0417

Bewerber-ID: 8841-██

Position: Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung: Forschung und Analyse

Datum: 14.08.2027

Ort: Verwaltungsgebäude 3, Raum 214

Interviewer: Dr. M. ███████

Protokollführung: ███████

Anwesend: Bewerber, Interviewer, Protokollführung

Aufzeichnung: Audio / Video

Status: INTERN

Raum

Raum 214

- schallisoliert

- Sicherheitsverglasung, zweifach ausgeführt

- Tür mit elektronischer Verriegelung

- keine Fenster nach außen

- Durchschnittliche Raumtemperatur: 21,4 °C

- Aufzeichnungssystem funktionsfähig

Gesprächsprotokoll

[09:07:12]

INTERVIEWER: Guten Morgen. Nehmen Sie bitte Platz.

BEWERBER: Guten Morgen. Vielen Dank.

INTERVIEWER: Haben Sie problemlos hierher gefunden?

BEWERBER: Ja, die Dame am Empfang hat mir den Weg erklärt. Der Zugang war gut ausgeschildert.

INTERVIEWER: Sehr gut. Möchten Sie etwas trinken?

BEWERBER: Vielen Dank, im Moment nicht. Vielleicht später.

INTERVIEWER: Dann beginnen wir.

Kurze Pause.

INTERVIEWER: Sie haben an der Universität █████████ Archäologie studiert?

BEWERBER: Genau. Das Studium habe ich mit Schwerpunkt auf Frühgeschichte abgeschlossen.

INTERVIEWER: Schwerpunkt?

BEWERBER: Frühgeschichte. Hauptsächlich bronzezeitliche Kulturen und deren Handelsbeziehungen.

INTERVIEWER: Ihre letzte Anstellung war im Bereich Restaurierung?

BEWERBER: Richtig. Sieben Jahre lang war ich dort tätig.

INTERVIEWER: Warum möchten Sie wechseln?

BEWERBER: Ich möchte wieder stärker wissenschaftlich arbeiten. In der Restaurierung verbringt man irgendwann mehr Zeit damit, Schäden zu dokumentieren, als tatsächlich etwas herauszufinden. Mir fehlt die Untersuchung, die offene Frage, der Moment, in dem sich aus einzelnen Spuren ein Zusammenhang ergibt.

Der Interviewer lächelt.

INTERVIEWER: Das kann ich nachvollziehen.

[09:18:44]

Weitere Fragen zu Ausbildung, bisheriger Berufserfahrung und Sprachkenntnissen.

[09:27:19]

Bewerber wirkt ruhig und kooperativ.

[09:34:02]

Tür wird geöffnet.

Assistent betritt den Raum.

Assistent stellt einen schwarzen Transportbehälter auf den Tisch.

Tür wird geschlossen.

BEWERBER: Ist das Teil des Gesprächs? Das war in der Einladung nicht erwähnt.

INTERVIEWER: Ja.

BEWERBER: Das überrascht mich. In der Stellenausschreibung war von einer praktischen Prüfung keine Rede.

INTERVIEWER: Das ist korrekt.

Pause.

INTERVIEWER: Gut. Dann kommen wir jetzt zum praktischen Teil.

Praktische Bewertung

[09:34:27]

Transportbehälter wird geöffnet.

Objekt 01 wird entnommen.

INTERVIEWER: Was sehen Sie?

BEWERBER: Eine Art Keramikgefäß. Die Form erinnert an ein Vorrats- oder Ritualgefäß, aber dafür müsste ich die Unterseite und die Verarbeitung genauer prüfen.

INTERVIEWER: Alter?

BEWERBER: Auf den ersten Blick schwer einzugrenzen. Mein erster Eindruck wäre Reproduktionsmaterial.

INTERVIEWER: Warum?

BEWERBER: Die Oberfläche wirkt zu gleichmäßig, besonders an dieser Stelle. Und die Kante hier ist ungewöhnlich sauber. Wenn das Stück tatsächlich antik ist, wurde es entweder sehr sorgfältig bearbeitet oder nachträglich verändert.

Bewerber berührt Objekt nicht.

BEWERBER: Falls es authentisch ist, würde ich es grob auf vielleicht zweitausend Jahre schätzen. Für eine belastbare Datierung bräuchte ich Vergleichsmaterial und eine Materialanalyse.

INTERVIEWER: Interessant.

[09:38:51]

Objekt 02 wird vorgelegt.

Bewerber untersucht das Objekt.

BEWERBER: Das ist ungewöhnlich. Geben Sie mir bitte einen Moment.

INTERVIEWER: Inwiefern?

BEWERBER: Es sieht aus wie Metall, aber die Oberfläche verhält sich nicht so, wie ich es erwarten würde. Die Reflexion ist falsch, und die Struktur scheint sich meinem Blick zu entziehen.

INTERVIEWER: Versuchen Sie es trotzdem.

BEWERBER: Ich kann es beschreiben, aber nicht sicher einordnen. Es wirkt metallisch, doch ich glaube nicht, dass es Metall ist.

INTERVIEWER: Warum?

BEWERBER: Weil es sich falsch anfühlt. Nicht nur fremdartig – eher so, als würde das Material eine Eigenschaft vortäuschen. Je länger ich hinsehe, desto weniger sicher bin ich, was ich eigentlich betrachte.

Pause.

INTERVIEWER: Falsch?

BEWERBER: Ja. Und ich möchte es nicht anfassen.

[09:41:17]

Bewerber unterbricht die Untersuchung.

BEWERBER: Entschuldigen Sie, ist es hier gerade kälter geworden?

INTERVIEWER: Nein. Die Raumtemperatur ist unverändert. Bitte fahren Sie fort.

BEWERBER: Die Luft fühlt sich deutlich kälter an.

INTERVIEWER: Das ist vermutlich nur ein subjektiver Eindruck. Bitte fahren Sie fort.

Bewerber betrachtet Objekt 02.

[09:43:06]

BEWERBER: Woher haben Sie die Sachen? Ich meine das ernst – sie wirken nicht wie gewöhnliche Sammlungsstücke.

INTERVIEWER: Das ist für Ihre Bewertung nicht relevant.

BEWERBER: Sie sehen nicht aus, als wären die aus einem Museum. Die Verarbeitung, die Spuren daran – wo wurden sie gefunden?

INTERVIEWER: Bitte beschreiben Sie Objekt 02.

[09:47:52]

Subjekt fragt, ob sich eine weitere Person im Raum befindet.

INTERVIEWER: Nein.

BEWERBER: Doch. Hinter mir oder hinter Ihnen steht jemand.

INTERVIEWER: Hier befinden sich nur die anwesenden Personen.

Bewerber blickt zur Südwand.

[09:48:03]

Blickrichtung des Bewerbers bleibt 11 Sekunden unverändert.

BEWERBER: Er steht direkt hinter Ihnen. Bitte drehen Sie sich nicht um.

Interviewer reagiert nicht.

INTERVIEWER: Bitte konzentrieren Sie sich auf das Objekt.

BEWERBER: Sie sehen ihn nicht? Er steht so nah, dass er Sie beinahe berührt.

INTERVIEWER: Nein.

BEWERBER: Er sieht Sie an. Und jetzt schaut er zu mir.

Pause.

INTERVIEWER: Fahren Sie fort.

[09:51:20]

Bewerber fordert Abbruch des Gesprächs.

BEWERBER: Ich möchte gehen. Sofort.

INTERVIEWER: Das Gespräch ist noch nicht beendet.

BEWERBER: Dann beenden Sie es jetzt. Ich fühle mich hier nicht sicher.

INTERVIEWER: Beruhigen Sie sich bitte.

BEWERBER: Ich bin ruhig, aber Sie ignorieren gerade etwas, das direkt hinter Ihnen steht.

INTERVIEWER: Natürlich.

BEWERBER: Was ist hier los? Was testen Sie eigentlich?

INTERVIEWER: Sie befinden sich in einem Bewerbungsgespräch.

Pause.

BEWERBER: Das ist kein Bewerbungsgespräch. Sie beobachten, wie ich reagiere.

[09:54:11]

Raumtemperatur: 18,9 °C

Keine technische Ursache festgestellt.

[09:55:02]

Bewerber beginnt zu zittern.

INTERVIEWER: Möchten Sie eine kurze Pause?

BEWERBER: Machen Sie es weg. Bitte.

INTERVIEWER: Was genau?

BEWERBER: Das Objekt. Nehmen Sie es vom Tisch, decken Sie es ab, irgendetwas.

Bewerber zeigt auf Objekt 02.

INTERVIEWER: Das Objekt befindet sich seit Beginn der Untersuchung an dieser Stelle.

BEWERBER: Das stimmt nicht. Vor einer Minute lag es anders. Sehen Sie doch hin.

[10:01:43]

Subjekt zeigt plötzlich starke Angstreaktion.

Puls erhöht.

Atmung beschleunigt.

BEWERBER: Ich will nach Hause. Bitte bringen Sie mich hier raus.

INTERVIEWER: Das lässt sich einrichten.

BEWERBER: Wann? Jetzt?

INTERVIEWER: Nach Abschluss der Gespräches.

Bewerber beginnt zu weinen.

[10:04:12]

Subjekt fragt erneut, ob sich eine weitere Person im Raum befindet.

INTERVIEWER: Nein.

Subjekt beginnt zu hyperventilieren.

Pause.

INTERVIEWER: Bitte bleiben Sie ruhig.

[10:17:33]

Subjekt zeigt keine Reaktion auf Objekt 03.

INTERVIEWER: Können Sie es beschreiben?

Keine Antwort.

INTERVIEWER: Herr █████?

BEWERBER: Es erinnert sich an mich. Ich habe es schon einmal gesehen.

INTERVIEWER: Was erinnert sich an Sie?

Bewerber antwortet nicht.

[10:31:08]

Raumtemperatur: 14,2 °C

Subjekt verlangt erneut nach Beendigung der Untersuchung.

Anfrage wird abgelehnt.

[10:42:51]

Subjekt wird zunehmend agitiert und verbal aggressiv.

BEWERBER: Lassen Sie mich raus! Öffnen Sie diese Tür!

INTERVIEWER: Bitte beruhigen Sie sich.

BEWERBER: Sie hören mir überhaupt nicht zu! Lassen Sie mich raus!

INTERVIEWER: Sicherheitspersonal wird nicht benötigt, solange Sie kooperieren.

Bewerber schlägt gegen die Tür.

[10:44:03]

Sicherheitspersonal angefordert.

[10:44:37]

Sicherheitspersonal betritt Raum.

Subjekt muss fixiert werden.

[10:46:10]

Subjekt behauptet, Stimmen aus der Wand zu hören.

BEWERBER: Sie reden über mich. Alle reden über mich.

INTERVIEWER: Wer?

BEWERBER: Alle. Hinter der Wand, unter dem Boden – sie wissen, dass ich sie höre.

INTERVIEWER: Wen meinen Sie?

Bewerber beginnt zu lachen.

[10:49:22]

Subjekt beruhigt sich ohne erkennbare Intervention.

BEWERBER: Entschuldigung. Ich habe die Kontrolle verloren.

INTERVIEWER: Schon gut.

BEWERBER: Ich glaube, ich habe mich geirrt. Vielleicht ist da niemand.

INTERVIEWER: Das kommt vor.

[10:52:06]

Subjekt fragt, warum sich die Decke bewegt.

Keine Bewegung der Decke festgestellt.

[10:54:18]

Subjekt fragt:

BEWERBER: Warum ist der Raum so groß? Vorhin war die Wand direkt hinter mir.

Keine bauliche Veränderung festgestellt.

[10:56:43]

Subjekt nicht mehr vollständig orientiert.

Sprachliche Äußerungen teilweise unverständlich.

[10:57:11]

Subjekt nicht mehr ansprechbar.

Medizinische Untersuchung eingeleitet.

[10:57:42]

Keine Atmung festgestellt.

Medizinischer Befund

Todeszeitpunkt: 10:57 Uhr

Todesursache: Hirnschlag

Keine äußeren Verletzungen festgestellt.

Abschlussbewertung

Fachliche Qualifikation: ausreichend

Kommunikationsfähigkeit: ausreichend

Stressresistenz: unzureichend

Reaktion auf Objekt 02: überdurchschnittlich

Reaktion auf Objekt 03: ungewöhnlich

Wahrnehmung nicht registrierter Phänomene: bestätigt

Bewerberstatus: ABGELEHNT

Versuchsreihe: ERFOLGREICH

Empfehlung: Fortsetzung mit Bewerber-ID 8842-██

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ENDE DES PROTOKOLLS

CARCOSA-STIFTUNG – PERSONALABTEILUNG

Dokumentklassifizierung: INTERN

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