Wer nach Gambia reist, stellt schnell fest, dass die Uhren in diesem wunderschönen westafrikanischen Land anders ticken. Das Leben pulsiert entlang des mächtigen Gambia-Flusses, die Menschen begegnen einem mit einer unvergleichlichen Herzlichkeit, und die Natur zeigt sich in den schillerndsten Farben. Doch das größte Abenteuer beginnt oft schon beim ersten Blick ins eigene Portemonnaie.

Dort wartet der gambische Dalasi – eine Währung, die nicht nur kunstvoll gestaltet ist, sondern ein uraltes, lebendiges Geheimnis hütet. Denn auf fast jedem Schein und jeder Münze wacht ein Raubtier, das in Europa als kaltblütiger Jäger gefürchtet, in Gambia jedoch als heiliger Heilsbringer verehrt wird: das Krokodil.

Wenn man in Gambia bar bezahlt, hält man im Grunde ein kleines Stück Nationalstolz in den Händen. Das Krokodil – im lokalen Mandinka-Dialekt liebevoll „Bambo“ genannt – ist auf zwei ganz besondere Arten in der Währung verewigt:
Das schwebende Wasserzeichen: Es ist der Albtraum aller Geldfälscher und der Stolz der Zentralbank. Hält man eine beliebige Dalasi-Banknote gegen das afrikanische Sonnenlicht, erscheint im sonst weißen Sicherheitsfeld wie aus dem Nichts der plastische, majestätische Kopf eines Krokodils neben einer Palme.
Die 1-Dalasi-Münze: Die ikonische, siebeneckige Münze zeigt auf ihrer Rückseite ein stolzes Nilkrokodil mit leicht geöffnetem Maul, das im heißen Wüstensand zu ruhen scheint.

In Europa verbinden wir Krokodile mit Gefahr. In der Mythologie Gambias hingegen ist das Krokodil ein Symbol für das Leben, die Fruchtbarkeit und den tiefen Bund mit den Ahnen. Dieser Glaube ist keine verstaubte Legende, sondern wird im ganzen Land aktiv gelebt.
Der Ursprung dieses Kults liegt in den heiligen Krokodilbecken des Landes, allen voran dem weltberühmten Kachikally-Becken in Bakau.

Seit über 500 Jahren wird dieser von dichten Bäumen umschlossene Teich von der Familie Bojang bewacht. Die Legende besagt, dass der Geist des Beckens einst einer fruchtbaren Ahnin der Familie versprach, dass Frauen, die im Wasser des Teiches baden, von ihrer Unfruchtbarkeit geheilt würden.
Heute leben in dem dicken, grünen Wasser von Kachikally rund 80 Nilkrokodile. Das Erstaunliche: Diese Raubtiere sind vollkommen zahm. Sie werden täglich von den Wächtern mit Tonnen von frischem Fisch gefüttert, weshalb sie keinerlei Jagdinstinkt gegenüber Menschen zeigen. Bis heute pilgern Frauen aus ganz Westafrika hierher, um sich rituell mit dem heiligen Wasser zu waschen. Wer besonders mutig ist, darf die urzeitlichen Riesen sogar anfassen – eine Berührung, die lebenslanges Glück und Segen versprechen soll.
Der Mondglaube der Mandinka:
Die spirituelle Kraft der Krokodile reicht in Gambia bis in den Himmel. Wenn die Menschen nachts den Vollmond betrachten, sehen sie darin nicht das sprichwörtliche „Gesicht“, sondern die dunklen Konturen eines Krokodils, das schützend über das Land wacht.
Gambia hat vor einigen Jahren seine Banknoten modernisiert. Wer das Geld heute genau betrachtet, stellt fest, dass die Scheine eine wunderschöne Geschichte erzählen. Sie verbinden das Krokodil im Wasserzeichen mit der schillernden Vogelwelt des Landes:
Auf dem 10-Dalasi-Schein leuchtet der wunderschöne, farbenprächtige Karminspint.
Der 20-Dalasi-Schein zeigt den grazilen Zwergfeineschnäbler (Eisvogel).
Auf den größeren Noten thronen majestätische Greifvögel wie der Kronenadler.
Zusammen mit dem Krokodil wird jede Zahlung zu einer kleinen Hommage an die unberührte, wilde Schönheit Gambias.
