Die Chronik des Erzherzogtums Hessen - Band II - Die Landgrafschaft Hessen

ErzherzogCollin_XIV31. August 2026entertainment

Band II: Die Landgrafschaft Hessen


Herausgegeben im Auftrag des Hauses Hessen, aus den Aufzeichnungen der Hofchronisten

Bevor ein Land ein Herrscherhaus tragen kann, muss es ein Land werden. Die vorliegende Chronik erzählt, wie aus einem germanischen Stammesgebiet zwischen Eder, Fulda und Lahn über Jahrhunderte jenes Territorium erwuchs, das eines Tages Hessen heißen würde und aus dem, so will es die Geschichte unseres Hauses, dereinst ein Erzherzogtum hervorgehen sollte.

I. Ein junges Fürstentum festigt sich

Heinrich I., regierte sein neues Land bis 1308 und damit lange genug, um in Kassel eine dauerhafte Residenz und mit ihr das Hessische Fürstenhaus zu etablieren. Nach seinem Tod folgte, wie es im Mittelalter üblich war, die Teilung unter seinen Söhnen: Otto erhielt das "Land an der Lahn", das spätere Oberhessen, mit Marburg, Gießen, Grünberg und Alsfeld, während sein Halbbruder Johann das "nider lant", das spätere Niederhessen, mit den Gebieten an der unteren Fulda, Eder, Schwalm und Werra sowie der Residenz Kassel übernahm. Der frühe Tod Johanns bereits 1311 führte die beiden Landesteile jedoch wieder unter Otto zusammen.

Zwischen 1458 und 1500 war das Land erneut in ein niederhessisches und ein oberhessisches Fürstentum gespalten. Landgraf Ludwig I. gelang 1450 mit dem Erwerb der Grafschaft Ziegenhain ein Schritt zur Verbindung beider Landesteile. Im Jahr 1500 schließlich führte Landgraf Wilhelm II. Nieder- und Oberhessen zusammen und übergab seinem Sohn ein geeintes Land.

II. Philipp der Großmütige

Dieser Sohn war Philipp I., genannt der Großmütige. Bereits mit vierzehn Jahren übernahm er 1518 offiziell die Regierung, mit siebzehn saß er 1521 beim Reichstag zu Worms Kaiser Karl V. gegenüber, als Martin Luther seine Lehre verteidigte. 1525 schlug er den Bauernaufstand in Hessen und Thüringen nieder, doch schon ein Jahr später führte er auf der Homberger Synode 1526 die Reformation in seinem Land ein. Hessen wurde damit zu einem der ersten protestantischen Territorien des Reiches. 1527 gründete er in Marburg die erste evangelische Universität der Welt, löste rund vierzig Klöster auf und finanzierte mit deren Vermögen Landeshospitäler für Arme und Kranke.

Phillip I.


III. Die große Teilung

Als Philipp 1567 starb, verfügte sein Testament die Aufteilung des Landes unter seine vier ehelichen Söhne. Wilhelm IV. erhielt Hessen-Kassel mit rund der Hälfte des Territoriums, Georg I. Hessen-Darmstadt, während die Nebenlinien Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels bald wieder ausstarben. Übrig blieben zwei eigenständige, künftig oft rivalisierende Landesteile und damit eine Trennung, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Bestand haben sollte.

IV. Der Hessenkrieg

Wie tief dieser Zwist reichen konnte, zeigte sich mitten im Dreißigjährigen Krieg. Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel, die für ihren unmündigen Sohn regierte, ließ 1645 Truppen in das umstrittene Oberhessen einrücken, um alte Gebietsansprüche gegen die Verwandten in Hessen-Darmstadt durchzusetzen. Die Auseinandersetzung wird bekannt als Hessenkrieg. Erst 1648 einigten sich beide Landesteile: Hessen-Kassel erhielt ein Viertel Oberhessens samt Marburg und als einziges Reichsterritorium überhaupt eine Kriegsentschädigung von einer halben Million Talern für sein rund 20.000 Mann starkes Heer.

V. Soldatenhandel & der amerikanische Unabhänigkeitskrieg

Im 18. Jahrhundert wurde genau diese militärische Stärke Hessen-Kassels zur europäischen Handelsware. Landgraf Friedrich II. schloss 1776 mit seinem Schwager, König Georg III. von Großbritannien, sogenannte Subsidienverträge und vermietete rund 12.000 hessische Soldaten für den Kampf gegen die amerikanischen Aufständischen. Auch die Grafschaft Hessen-Hanau, die dem Haus Hessen-Kassel gehörte, stellte mit über 2.400 Mann das drittgrößte deutsche Kontingent im Unabhängigkeitskrieg. Bis heute ist im Englischen der Begriff "Hessians" zum Sammelbegriff für deutsche Hilfstruppen jener Zeit geworden. Die aus diesem Handel fließenden Gelder verwandelten Kassel in eine der prachtvollsten Residenzstädte des Reiches, mit der Parkanlage Wilhelmshöhe und ihrem monumentalen Herkules als sichtbarstem Zeugnis (Der Erzherzog persönlich empfiehlt eine Sichtung dieser Sehenswürdigkeiten).

Hessische Truppen



VI. Das Kurfürstentum

Die Französischen Revolutionskriege brachten Hessen-Kassel schließlich an die Schwelle zu einem neuen Rang. Landgraf Wilhelm IX. hatte 1792 gegen Frankreich gekämpft und schloss sich 1795 dem Frieden von Basel an. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803, die Neuordnung der deutschen Landschaften des untergehenden Heiligen Römischen Reiches, wurde ihm für abgetretene linksrheinische Gebiete Ersatz sowie die begehrte Kurwürde zugesprochen: Am 15. Mai 1803 nannte er sich fortan Kurfürst Wilhelm I. Hessen-Kassel war somit zum Kurfürstentum aufgestiegen.

Wilhelm IX.



Gezeichnet

Erzherzog Collin XIV.

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