Die Chronik des Erzherzogtums Hessen - Band IV - Volkstaat & der 2. Weltkrieg über Hessen

ErzherzogCollin_XIV2. September 2026entertainment

Band IV: Volksstaat & der 2. Weltkrieg über Hessen

Herausgegeben im Auftrag des Hauses Hessen, aus den Aufzeichnungen der Hofchronisten

Bevor ein Land ein Herrscherhaus tragen kann, muss es ein Land werden. Die vorliegende Chronik erzählt, wie aus einem germanischen Stammesgebiet zwischen Eder, Fulda und Lahn über Jahrhunderte jenes Territorium erwuchs, das eines Tages Hessen heißen würde und aus dem, so will es die Geschichte unseres Hauses, dereinst ein Erzherzogtum hervorgehen sollte.

I. Der Volksstaat Hessen in der Weimarer Republik

Der neue Volksstaat Hessen übernahm 1919 die Gliederung des einstigen Großherzogtums in die drei Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen und erhielt im Dezember desselben Jahres eine demokratische Verfassung. Wie im ganzen Reich war die Republik von wirtschaftlicher Not und politischer Radikalisierung geprägt. Im Wahlkreis Hessen-Darmstadt stieg dementsprechend der NSDAP-Stimmenanteil bei Reichstagswahlen zwischen 1928 und 1933 von 1,9 auf 47,5 Prozent, im benachbarten Wahlkreis Hessen-Nassau von 3,6 auf 49,4 Prozent. Bei der Landtagswahl vom November 1931 wurde die NSDAP mit 27 Sitzen bereits stärkste Fraktion im hessischen Landtag.


II. Gleichschaltung und NS-Herrschaft

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Reich endete auch im Volksstaat Hessen jede eigenständige Politik. 1933 wurde der Gauleiter Jakob Sprenger zum Reichsstatthalter ernannt und das Gesetz über "den Neuaufbau des Reichs" vom Januar 1934 beseitigte schließlich die staatliche Souveränität aller Länder endgültig. Das ehemalige Großherzogtum ging fortan im Gau Hessen-Nassau auf, während das frühere Kurhessen als preußischer Regierungsbezirk Kassel den Gau Kurhessen bildete.

Philipp von Hessen, damals Chef des Gesamthauses Hessen, war NSDAP-Mitglied und diente von 1933 bis 1943 als Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau. Zudem war er als persönlicher Vermittler zwischen Hitler und Mussolini zeitweise politisch einflussreich. Nach dem italienischen Kriegsaustritt 1943 wurde Phillip allerdings verdächtigt an dem Sturz Mussolinis mitgewirkt zu haben. Er und seine Frau, die italienische Prinzessin Mafalda, wurden daher verhaftet. Mafalda starb 1944 im Konzentrationslager Buchenwald während Phillip den Rest des Krieges in unterschiedlichen Lagern gefangen blieb. 1945 wurde er und weitere Gefangene aus einem Lager in Südtirol von Wehrmachtssoldaten unter Führung von Wichard von Alvensleben befreit. Danach geriet er in alliierte Gefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde.

Phillip von Hessen


III. Der Zweite Weltkrieg über Hessen

Als Standort der Rüstungsindustrie, darunter z.B. das Kasseler Werk Henschel & Sohn, das Panzer, Lokomotiven und Lastwagen fertigte, geriet Hessen früh ins Visier der alliierten Bomberverbände.

Am 22. Oktober 1943 warfen zwischen 400 und 500 britische Bomber über 400.000 Brandbomben auf Kassel ab. Der daraus entstehende Feuersturm vernichtete nahezu die gesamte historische Altstadt und forderte je nach Schätzung zwischen 6.000 und 10.000 Menschenleben.
Auch Darmstadt traf es in der sogenannten "Brandnacht" vom 11. auf den 12. September 1944: 234 Bomber warfen binnen weniger Stunden mehr als 250.000 Stabbrandbomben über der Innenstadt ab und entfachten auch hier einen Feuersturm. Rund 11.000 Menschen starben, 90% der historischen Innenstadt wurden zerstört. Auch weitere Städte, wie Frankfurt, Wiesbaden und Mainz erlitten schwere Zerstörungen durch wiederholte Luftangriffe.

Im Frühjahr 1945 erreichten amerikanische Bodentruppen Hessen. Kassel kapitulierte nach mehrtägigen Kämpfen am 4. April 1945, Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden fielen in den Wochen zuvor und danach. Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches auch für Hessen der Krieg.

Zerstörte Innenstadt von Kassel


IV. Groß-Hessen

Das ehemalige Großherzogtum und der preußische Regierungsbezirk Kassel lagen nun beide in der amerikanischen Besatzungszone. Am 19. September 1945 verfügte die amerikanische Militärregierung die Vereinigung des rechtsrheinischen Volksstaats Hessen mit den amerikanisch besetzten Teilen der ehemaligen Provinz Hessen-Nassau zum neuen Land "Groß-Hessen". So entstand zum ersten Mal in der Geschichte ein einheitliches hessisches Staatsgebiet.

US-Truppen in Kassel



Gezeichnet

Erzherzog Collin XIV.