Die Vorgeschichte

Tilli_die_Pennerin9. Juni 2026news

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Es gibt eine Sache die ich nie erzählt habe.

Vor zwölf Jahren hatte ich eine Wohnung.

Klein. Dritter Stock. Fenster zur Straße. Man konnte den Tiergarten sehen wenn man den Kopf verdrehte und ein bisschen hoffte und die Augen leicht zusammenkniff.

Ich hatte einen Job. Nicht glamourös. Aber genug.

Ich hatte Pläne.

Ich hatte sogar eine Kaffeemaschine.

Dann kam der Winter.

Nicht der meteorologische. Den anderen.

Den der still kommt. Ohne Ankündigung. Der eines Morgens einfach da ist und alles was vorher selbstverständlich war plötzlich sehr schwer macht.

Erst der Job. Dann die Miete. Dann die Wohnung.

Dann die Kaffeemaschine. Die musste ich verkaufen.

Das hat am meisten wehgetan. Im Nachhinein ist mir das etwas peinlich.

Die erste Nacht auf der Bank war kalt.

Ich hatte nichts. Keine Decke. Keinen Plan. Nur die Jacke die ich anhatte und den vagen Gedanken dass das bestimmt nur vorübergehend ist.

Das war vor zwölf Jahren.

Ein alter Mann kam am nächsten Morgen vorbei. Schaute mich an. Ging weiter. Kam zurück. Legte wortlos eine Decke neben mich hin.

Ich habe ihn nie wiedergesehen.

Ich habe die Decke noch lange gehabt.

Bis Klaus kam.

Klaus habe ich vor einer Bäckerei gefunden. Einfach hingestellt. Als wäre er für mich.

Ich habe nicht lange überlegt.

Finder's keepers.

Gertrude kam im dritten Jahr.

Setzte sich einfach neben mich. Schaute mich an. Blieb.

Ich fragte sie ob sie ein Zuhause hat.

Sie schaute mich an als wäre das die dümmste Frage die sie je gehört hatte.

Wir haben uns sofort verstanden.

Ich erzähle das nicht weil ich Mitleid will.

Ich erzähle es weil ich manchmal Menschen sehe die denken ich hätte mich entschieden so zu leben.

Niemand entscheidet sich dafür.

Man landet dort.

Leise. Während man noch Pläne hatte. Und eine Kaffeemaschine.

Und dann steht man jeden Morgen auf.

Rollt Klaus zusammen. Schaut ob Gertrude schläft. Schaut auf Berlin.

Macht weiter.

Nicht weil es einfach ist.

Sondern weil irgendwann eine fremde Decke neben dir liegt. Weil irgendwann ein Schlafsack vor einer Bäckerei steht als wäre er für dich. Weil irgendwann eine Taube einfach bleibt und dich anschaut als wärst du nicht die dümmste Entscheidung die sie je getroffen hat.

Das ist kein Happy End.

Das ist einfach das nächste Morgen.

Und das reicht.

Meistens.

*Tilli_die_Pennerin.*

*Parkbank Nr. 7.*

*Die Kaffeemaschine vermisse ich immer noch.*

*🕊️*

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