„DOMAR – DER, DER DEN SCHATTEN ORDNETE“

NECROMANCER2. Oktober 2026entertainment

Domar – Herrschaft

„Wo viele Willen aufeinandertrafen, sah Domar keinen Bund. Er sah Unordnung.“

Als Netharion noch jung war und seine Tiefen weder in Reiche noch in Unterwelten geteilt waren, erhoben sich die Sieben Ursprünglichen des Schattens aus der Essenz dessen, der einst der Schöpfer gewesen war.

Unter ihnen war Domar.

Und in ihm lag von Anbeginn das Prinzip der Herrschaft.

Nicht Zorn bewegte ihn. Nicht Hunger. Nicht Furcht.

Domar sah die Welt des Schattens und erkannte darin vor allem eines: Macht ohne Ordnung.

Überall sammelte sich Schattenessenz.

Aus ihr entstanden Wesen, zunächst klein, triebhaft und ohne festes Selbst.

Sie jagten einander.

Sie verschlangen Essenzkerne.

Sie wuchsen, zerfielen und entstanden erneut.

Was stärker war, nahm sich was schwächer war.

Was keinen Schutz besaß, wurde Beute.

So vermehrte sich die Macht des Schattens, während sie sich zugleich selbst verzehrte.

Domar erkannte früh, dass der Schatten auf diese Weise niemals zu wahrer Stärke finden würde.

Nicht, weil ihm das Leid der Schwachen missfiel.

Sondern weil Verschwendung ihm zuwider war.

Ein Wesen, das einen Verbündeten verschlang, um selbst stärker zu werden, entzog dem Ganzen einen Diener.

Eine Horde, die sich gegenseitig vernichtete, war keine Armee.

Und Macht, die keinem Willen folgte, war für Domar keine Macht.

So begann er, Ordnung zu schaffen.

Nicht durch Bitten.

Nicht durch Einigkeit.

Sondern durch Unterwerfung.

Jene Wesen, die sich ihm beugten, stellte er unter seinen Schutz.

Wer innerhalb seiner Ordnung stand, sollte nicht länger wahllos von einem stärkeren Wesen verschlungen werden dürfen.

Doch dieser Schutz hatte seinen Preis.

Gehorsam.

Aus dieser Zeit stammt die älteste überlieferte Vorstellung von Domars Herrschaft:

„Kniet, und ihr werdet bestehen.“

Mit Domar entstand innerhalb des Schattens erstmals etwas, das zuvor kaum existiert hatte:

Rang.

Wesen wurden nicht länger nur danach unterschieden, wie viel Essenz sie in sich trugen.

Nun zählte auch, wem sie dienten.

Ein mächtiges Wesen konnte über schwächere gestellt werden.

Dieses wiederum unterstand einem noch höheren.

So entstand eine Kette von Gehorsam.

Domars Ziel war nicht, jedes Wesen selbst zu lenken.

Sein Ziel war größer.

Er wollte eine Ordnung, in der jedes Wesen bereits jemanden über sich hatte.

So musste Herrschaft nicht überall zugleich ausgeübt werden.

Sie setzte sich selbst fort.

Als Velkar entstand und das alte Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten zerbrach, begann der Erste Große Krieg.

Zu Beginn zog Netharion nicht mit geordneten Armeen in den Kampf.

Der Schatten brach hervor wie eine Flut.

Unzählige Wesen strömten gegen das Licht.

Viele handelten nur aus Trieb.

Einige kämpften gegeneinander, obwohl vor ihnen derselbe Feind stand.

Andere verschlangen die Kerne Gefallener noch mitten im Kampf.

Der Schatten besaß Masse.

Aber keine Disziplin.

Auf der anderen Seite begann Theria, das Licht zu ordnen.

Wo zuvor einzelne Mächte kämpften, entstanden Rollen, Strukturen und feste Kriegerverbände.

Domar erkannte die Veränderung.

Und er wusste, dass Netharion verlieren würde, wenn seine Macht weiterhin nur als ungeordnete Masse in den Krieg strömte.

So tat er für den Schatten, was Theria für das Licht tat.

Er formte Heere.

Er setzte Anführer ein.

Er schuf Befehlsketten.

Er bestimmte, wer führen und wer folgen sollte.

Und erstmals kämpfte der Schatten nicht nur zahlreich.

Er kämpfte geordnet.

Unter Domars Einfluss wurden aus chaotischen Gruppen feste Verbände.

Trupps wurden zu Heeren.

Heere wurden zu Großheeren.

Mächtigere Wesen erhielten Befehl über schwächere.

Und mit dem Rang kam das Recht auf Macht.

Domar begann auch die Verteilung von Essenz zu kontrollieren.

Was zuvor genommen wurde, konnte nun gewährt werden.

Freie Essenz oder die Kerne Gefallener sollten nicht mehr dem zufallen, der zufällig zuerst danach griff.

Domar entschied, welches Wesen wachsen durfte.

So wurde Essenz selbst zu einem Werkzeug der Herrschaft.

Ein Diener konnte aufsteigen.

Ein Anführer konnte gestärkt werden.

Ein Versager konnte alles verlieren.

Damit wurde Domars Ordnung tiefer als bloßer Gehorsam.

Sie bestimmte, wer mächtig werden durfte.

Der Krieg brachte die Ursprünglichen immer häufiger zusammen.

Fronten verschoben sich.

Gebiete wechselten.

Essenz sammelte sich dort, wo große Mächte immer wieder aufeinandertrafen.

Besonders drei Ursprüngliche wirkten über lange Zeit auf dieselben Bereiche Netharions ein:

Domar – Herrschaft.

Korvath – Verderbnis.

Khareth – Zorn.

Ihre Essenz wurde nicht eins.

Doch die Schattenessenz um sie herum trug ihre Prägung.

Herrschaft / Verderbnis / Zorn.

Über lange Zeit sammelte sich diese geprägte Essenz.

Sie verdichtete sich.

Bis etwas entstand, das keiner der drei bewusst erschaffen hatte.

Aus der langen Wechselwirkung der drei entstand Razar – Vernichtung.

Wo Velkar aus dem Einfluss zweier Ursprünglicher hervorgegangen war, entstand Razar aus dreien.

Damit war er mächtiger als jeder einzelne Ursprüngliche.

Und seine Geburt offenbarte ein Gesetz, das selbst Domar zuvor nicht vollständig verstanden hatte.

Schattenessenz strebte nicht nur danach, von einzelnen Wesen aufgenommen zu werden.

Unter genügend Zeit, Nähe und Macht konnte aus den Prägungen mehrerer großer Wesen etwas vollkommen Neues entstehen.

Domar hatte Ordnung geschaffen, um den Schatten zu stärken.

Doch seine eigene Essenz hatte zugleich dazu beigetragen, etwas hervorzubringen, das über ihm stand.

Als der Erste Große Krieg seinem Ende entgegenging, wurde Netharion verändert.

Das Licht begann durch Seraths Binder Schattenessenz aus dem Kreislauf zu nehmen.

Nicht zu zerstören.

Doch zu entziehen.

Kerne, die einst nach Netharion zurückgekehrt wären, verschwanden.

Der Schatten verlor den Zugriff auf Teile seiner eigenen Essenz.

Gleichzeitig erkannte Razar, dass die dauerhafte Nähe der großen Schattenmächte weitere Wesen hervorbringen konnte.

Vielleicht sogar eines, das ihn selbst übertraf.

So ließ Razar die Unterwelten entstehen.

Die Ursprünglichen und Velkar wurden voneinander getrennt.

Und Domar erhielt seinen eigenen Bereich.

Die Hallen der Herrschaft.

Dort fand Domars Ordnung ihre vollkommenste Form.

Was während des Krieges als militärische Notwendigkeit begonnen hatte, wurde nun zum Wesen einer ganzen Unterwelt.

Schwarze Mauern erhoben sich.

Türme / Kasernen / Brücken / Zitadellen / Endlose Hallen.

Alles besaß einen Zweck.

Alles besaß einen Rang.

Alles besaß einen Platz.

Im Zentrum erhob sich Domars Thron.

Nicht nur als Sitz.

Sondern als Zeichen dafür, dass jede Ordnung in den Hallen letztlich zu einem einzigen Willen zurückführte.

Mit der Zeit begann sich auch die frei vorhandene Schattenessenz innerhalb der Hallen zu verändern.

Sie blieb Schattenessenz.

Doch ihre Formung wurde durch Domars dauerhafte Gegenwart geprägt.

Herrschaft / Ordnung / Gehorsam / Hierarchie.

Aus dieser Essenz entstanden Wesen, die sich deutlich von den frühen Kreaturen Netharions unterschieden.

Knechte / Soldaten / Wächter / Vollstrecker / Kriegsherren.

Je mehr Essenz ein Wesen in sich trug, desto höher konnte es innerhalb der Ordnung steigen.

Doch selbst große Macht bedeutete nicht Freiheit.

Denn über jedem Rang stand ein höherer.

Und über allen stand Domar.

Domar sucht nicht die Vernichtung aller Dinge.

Denn was vernichtet ist, kann nicht mehr dienen.

Er sucht auch nicht das Chaos.

Denn Chaos besitzt keinen dauerhaften Nutzen.

Domar will Bestand.

Aber nur unter Herrschaft.

Er glaubt nicht, dass Freiheit Stärke hervorbringt.

Er glaubt, dass Stärke entsteht, wenn jedes Wesen seine Stellung kennt.

Für ihn ist Unterwerfung keine Strafe.

Sie ist Ordnung.

Und Ordnung ist für Domar die einzige Form, in der Macht Bestand haben kann.

„Domar wollte keine Welt ohne Willen.
Er wollte eine Welt, in der jeder Wille unter einem größeren stand.“

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