Vor recht genau einem Monat erreichte mich – wie seither viele – ein Aufruf auf Reddit, die deutsche Nation in WarEra.io zu unterstützen und zu neuer Größe zu führen.
Ich begab mich auf das politische Schlachtfeld und fand mich zunächst im sonnigen Südafrika wieder, das ich bald verließ, um im schönen Deutschland mit seinen Hügeln, Wiesen, Feldern, Seen und Flüssen meinen Teil zum Wiederaufstieg der Nation beizutragen.
Europa war zu dieser Zeit uneins. Nicht zerstritten, doch ohne klares Ziel, verstrickt in Rangeleien zwischen den Nationen. Das deutsche Staatsgebiet war unter unseren Nachbarn aufgeteilt, während sich die Bürger Deutschlands einzig im gemeinsamen Willen wiederfanden, das Vaterland erneut zu vereinen.
Es wurde strukturiert und umgeformt. Neue, unerfahrene Unterstützer strömten herbei, angelockt durch die zahlreichen aufrufe die überall zu finden waren, und wurden angeleitet, aufgebaut und integriert. Der damaligen Führung gelang es auf beinahe unerklärliche Weise, über diplomatische Kanäle einen Teil des Staatsgebietes von Polen zurückzuerhalten. Gleichzeitig wurden mit nördlichen Nationen Bündnisse geschmiedet und Abkommen unterzeichnet.
Währenddessen baute ich meine eigenen Fähigkeiten aus. Ich lernte zu kämpfen, steigerte meinen Reichtum durch den Aufbau von Firmen und häufte, wie viele andere neue Unterstützer, Ausrüstung und Ressourcen an, um unsere großartige Nation besser unterstützen zu können.
Mit dem rasanten Wachstum Deutschlands rückten die Wahlen näher und standen unter scharfer Beobachtung. In den innenpolitischen Verwerfungen trat ein besonders motivierter und ambitionierter Anwärter für das Präsidentenamt hervor.
Er etablierte Kommunikationskanäle außerhalb von WarEra und gab uns Bürgern die Möglichkeit, enger zusammenzuwachsen. Besonders engagierte Unterstützer förderte er mit großzügigen, teils außergewöhnlich wertvollen Geschenken. Diese wurden dankend angenommen, in dem Glauben, er, dieser schillernde Diplomat, habe einzig das Wohl Deutschlands im Sinn.
Mit zunehmender Nähe zur Wahl wurde er jedoch immer energischer. Artikel erschienen, Worte wurden schärfer, und nicht wenige fühlten sich vor den Kopf gestoßen.
Dann, kurz vor der Wahl, explodierte die innerdeutsche Politik.
Es stellte sich heraus, dass der vermeintliche Hoffnungsträger nicht deutscher Herkunft war. Er war Australier.
Ein Aufschrei ging durch die Nation. Die mühsam aufgebauten Kommunikationsstrukturen zerfielen, als der zuvor gefeierte Kandidat Kanäle übernahm, zerschlug und an neue Gefolgsleute übergab. Die Wahlen drohten, Deutschland zurück ins Chaos zu stürzen.
Doch einige wenige in der Führung handelten geistesgegenwärtig. Neue Kanäle wurden geschaffen, alte Strukturen in Windeseile wiederhergestellt, und die Wahlen konnten stattfinden.
Ich selbst war in diesen Stunden überfordert, auf meine eigenen Aufgaben fokussiert und damit beschäftigt, meine Stärke für Deutschland auszubauen. Die offiziellen Berichte erschütterten mein Vertrauen.
Haben unsere Führer Weitblick, oder lassen sie sich zu leicht täuschen?
Und wir Bürger, verdienen wir es, eine starke Nation im Herzen Europas zu sein, wenn wir so leicht zu blenden sind?
Die Tage vergingen. Ich investierte weiter in meine Firmen, füllte meine Lager und konzentrierte mich auf den Wiederaufbau. Die neue Führung glättete die Wogen und überzeugte unsere Bündnispartner davon, dass auf Deutschland weiterhin Verlass ist – eine enorme Leistung.
Doch aus der wachsenden Stabilität heraus entstand unbemerkt eine neue Gefahr im Westen.
Wir hatten Bündnisse geschlossen und unsere Partner in kleineren Gefechten unterstützt – nichts Großangelegtes, nichts Auffälliges. Doch eine vom eigenen Kriegsgeschehen gezeichnete Nation wurde aufmerksam: die USA – reich an Ressourcen, getrieben von Langeweile und Aggressionslust.
Dann kam der Schlag.
An einem Tag wie jeder andere wurden wir überrascht. Unser ursprüngliches Staatsgebiet war wiederhergestellt, im Süden sogar leicht erweitert, als Luxemburg die Grenze überschritt und uns mit effizienter Härte traf.
Die Verteidigungsschlachten waren chaotisch, brutal und blutig. Unsere Bürger gingen an ihre Grenzen und darüber hinaus – doch es reichte nicht.
Erfahrung, Ressourcen, Vorbereitung: Nichts hielt dem andauernden Ansturm stand. Meter um Meter verloren wir den Boden unseres Vaterlandes.
Unsere Verbündeten halfen, doch ihre Kräfte wirkten wie ein kleines Pflänzchen in den Fluten eines Donauhochwassers.
Erst in den Gefechtspausen wurde das Ausmaß der Intrige sichtbar.
Luxemburg hatte nicht aus eigenem Antrieb gehandelt – es war ein Instrument der USA. Kein ehrlicher Krieg um Territorium, sondern ein Exempel aus Bosheit und kalter Brutalität.
Die Empörung in Europa war groß, denn es zeigte sich, dass nicht nur unsere Gegner, sondern auch sie selbst von Schattenstrukturen beeinflusst waren.
Nun stehen wir auf den letzten Resten deutschen Bodens. Der Süden ist verloren, die Wut groß, der Hunger nach Vergeltung gewaltig.
Unser Verteidigungsminister bereitet uns in dieser trügerischen Ruhe auf den Gegenschlag vor. Neue Unterstützer werden ausgebildet, Strukturen gestärkt, der Wille geschärft. Alle brennen darauf, die südlichen Länder aus den kalten Fängen dieser Marionetten zu befreien.
Doch erneut stehen Wahlen bevor.
Wer soll uns führen?
Der standhafte Verteidigungsminister, der uns durch die verzweifelte Verteidigung brachte?
Oder der Präsident, der Bündnisse und Politik mit ruhiger Hand stabilisierte?
Die Vergangenheit hat gezeigt, wie gefährlich es ist, das Zepter vorschnell einem aufsteigenden Idol zu überlassen. Vielleicht gibt es weitere Persönlichkeiten, die bereit sind, unsere Nation zu führen.
Ich für meinen Teil werde mich weiter auf die kommenden Schlachten vorbereiten.
Unabhängig davon, wer uns führt, stehe ich an der Seite unserer großen Nation.
Ich rufe alle Bürger auf:
Steht geeint neben mir.
Verteidigt unsere Flagge.
Deutschland wird bestehen.