In den ersten beiden Teilen haben wir Kometen gejagt (Rosetta) und den Saturn erkundet (Cassini). Heute widmen wir uns einem stillen Helden im All, der gerade das größte Vermessungsprojekt der Menschheitsgeschichte durchzieht: Das ESA-Weltraumteleskop Gaia.
Seine Mission? Unsere kosmische Heimat, die Milchstraße, in einer gigantischen 3D-Karte zu erfassen.
Die größte Volkszählung der Sterne
Gaia beobachtet und vermisst fast zwei Milliarden Sterne. Das Teleskop misst nicht nur, wo die Sterne jetzt sind, sondern auch, wie hell sie sind, woraus sie bestehen und wie schnell sie sich in welche Richtung bewegen. Um diese Präzision zu verdeutlichen: Gaia könnte von der Erde aus die Haardicke einer Person messen, die auf dem Mond steht!

Durch die präzisen Bewegungsprofile der Sterne hat Gaia eine galaktische Kriminalgeschichte aufgedeckt. Forscher fanden heraus, dass unsere Milchstraße vor etwa 10 Milliarden Jahren eine andere, kleinere Galaxie (genannt Gaia-Enceladus) komplett verschluckt hat. Die Trümmer dieser kosmischen Kollision – Millionen von Sternen – bewegen sich noch heute anders als der Rest und verraten den uralten Zusammenstoß.

Weil Gaia die exakte Flugbahn der Sterne kennt, können Computer die Zeit vor- und zurückspulen. Wissenschaftler haben so Animationen erstellt, die zeigen, wie sich der Nachthimmel in den nächsten Millionen Jahren verändern wird. Sternbilder, die wir heute kennen (wie der Große Wagen), werden sich völlig auflösen, weil die Sterne in unterschiedliche Richtungen davonfliegen.
