Ich möchte hier mal über etwas schreiben, das eigentlich nicht wirklich etwas mit WarEra zu tun hat. Keine Schlachten, kein Community-Drama und auch keine Diskussion darüber, wer gerade wieder wen angegriffen hat.
Es geht um Depressionen. Und ein Stück weit um mich selbst.
Ich habe in der letzten Zeit einiges darüber gelernt – zwangsläufig auch über mich. Vor allem musste ich feststellen, dass mein Bild von Depression ziemlich falsch beziehungsweise unvollständig war.
Ich dachte dabei lange an jemanden, der nur noch traurig ist, morgens nicht mehr aus dem Bett kommt und offensichtlich keine Freude mehr am Leben hat.
So muss es aber nicht aussehen.
Man kann arbeiten gehen, lachen, Witze machen, stundenlang zocken, Verantwortung übernehmen und für andere da sein. Nach außen funktioniert man eigentlich ziemlich gut. Und trotzdem kann im Hintergrund einiges gewaltig schieflaufen.
Bei Männern zeigt sich das teilweise auch durch Rückzug, Gereiztheit, Schlafprobleme, innere Unruhe oder dadurch, dass man sich permanent beschäftigt. Und solange man noch funktioniert, ist es ziemlich einfach, sich selbst einzureden:
„So schlimm kann es bei mir ja nicht sein.“
Genau diesen Gedanken kenne ich ziemlich gut.
Ich will hier überhaupt kein Männer-gegen-Frauen-Ding daraus machen. Depressionen betreffen beide Geschlechter und jeder Mensch geht anders damit um.
Ich kann aber nur aus meiner eigenen Perspektive schreiben.
Und ich glaube, viele Männer kennen zumindest dieses Grundgefühl: Probleme löst man erst einmal selbst.
Man macht weiter. Man will niemandem auf den Sack gehen. Vielleicht redet man mit seinen Kumpels über Gott und die Welt, aber bei der Frage, wie es einem wirklich geht, wird es plötzlich schwieriger.
Das Verrückte ist, dass dafür irgendwann niemand mehr von außen sagen muss: „Reiß dich zusammen.“
Das erledigt man irgendwann selbst.
Bei mir kamen dann Fragen auf wie:
Brauche ich wirklich Hilfe? Ist das überhaupt schlimm genug? Übertreibe ich vielleicht? Andere Menschen haben doch viel größere Probleme.
Und selbst wenn Menschen um einen herum längst merken, dass etwas nicht stimmt, kann man selbst noch erstaunlich lange daran zweifeln.
Mehr als ich anfangs selbst gedacht hätte.
Meine Zeit als MoD und generell meine Rolle in der deutschen Community haben mir in einer schwierigen Phase tatsächlich ziemlich viel gegeben.
Hier waren plötzlich Dinge, um die ich mich kümmern konnte. Leute kamen mit Fragen zu mir, irgendwo musste vermittelt werden, irgendetwas organisiert werden und natürlich brannte gefühlt auch regelmäßig irgendwo die Hütte.
Ich konnte helfen.
Und dieses Helfen hat mir gutgetan.
Es hat mir das Gefühl gegeben, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles beizutragen. Wenn ich jemandem helfen konnte oder wir gemeinsam irgendein Problem gelöst bekommen haben, war da dieses kleine Gefühl von:
„Okay, dafür bin ich gut. Hier kann ich etwas bewirken.“
Dazu kamen natürlich die Leute selbst. Gespräche, komplett bescheuerte Situationen, gemeinsames Lachen und dieses merkwürdige kleine soziale Gebilde, das sich hier über Monate entwickelt hat.
WarEra war deshalb für mich zeitweise mehr als einfach nur ein Spiel.
Und dafür bin ich tatsächlich dankbar.
Es war manchmal eine verdammt gute Ablenkung.
Vielleicht teilweise sogar Flucht.
Denn wenn man sich mit dem nächsten Konflikt, einer Schlacht, irgendwelchen Ressourcen oder der nächsten Diskussion auf Discord beschäftigt, muss man sich gerade nicht mit sich selbst beschäftigen.
Und ich glaube, genau das habe ich teilweise gemacht.
Das bedeutet nicht, dass WarEra oder Gaming daran schuld sind. Das wäre viel zu einfach gedacht.
Die Community hat mir wirklich geholfen. Gleichzeitig habe ich sie aber manchmal auch benutzt, um meinen Kopf mit etwas anderem vollzumachen.
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Irgendwann macht man den PC trotzdem aus. Und die Dinge, vor denen man sich ein paar Stunden erfolgreich versteckt hat, sind dann meistens immer noch da.
Das ist wahrscheinlich eine der Sachen, über die ich mittlerweile selbst ein bisschen schmunzeln muss.
Als MoD irgendwelche Probleme anderer Leute lösen? Klar.
Stundenlang vermitteln, erklären, organisieren oder versuchen, es irgendwie allen recht zu machen? Auch kein Problem.
Aber irgendwann selbst zu sagen:
„Leute, mir geht es gerade nicht gut.“
Das war plötzlich wesentlich schwieriger.
Ich musste erst lernen, dass ich nicht komplett am Boden liegen muss, bevor ich Hilfe annehmen darf.
Und ich muss auch niemandem beweisen, dass es mir „schlecht genug“ geht.
Ich bin da selbst noch lange nicht mit allem durch. Ich habe auch nicht plötzlich die große Erkenntnis gefunden, mit der jetzt alles wieder super ist.
Aber ich beschäftige mich damit. Und ich nehme Hilfe an.
Das ist schon mehr, als ich eine Zeit lang gemacht habe.
Weil wir eine ziemlich große Community geworden sind.
Hinter den Accounts, Memes, politischen Diskussionen, Schlachten und teilweise völlig bescheuerten Streitereien sitzen echte Menschen.
Und vielleicht liest das hier gerade jemand, der morgens ganz normal arbeiten geht, abends mit uns im Discord sitzt, lacht und zockt – und trotzdem schon länger merkt, dass irgendetwas nicht stimmt.
Dann muss der erste Schritt keine dramatische Offenbarung sein.
Es reicht vielleicht erst einmal:
„Mir geht es gerade nicht so gut.“
Oder ganz direkt:
„Ich glaube, ich brauche Hilfe.“
Und andersherum: Wenn euch bei einem Freund auffällt, dass er sich verändert, sich zurückzieht oder irgendwie nicht mehr derselbe ist, fragt ruhig noch einmal nach.
Nicht jedes schlechte Wochenende ist eine Depression. Nicht jeder Rückzug bedeutet, dass etwas Schlimmes passiert.
Aber manchmal kann ein ernst gemeintes „Wie geht's dir eigentlich wirklich?“ verdammt viel wert sein.
Wir schaffen es hier schließlich auch, uns wegen irgendwelcher virtueller Regionen stundenlang den Kopf zu zerbrechen.
Dann können wir uns genauso gut ab und zu um die Menschen hinter den Accounts kümmern.
Passt aufeinander auf. Und vielleicht manchmal noch ein bisschen mehr auf euch selbst.
Falls es euch selbst gerade nicht gut geht:
Redet mit jemandem, dem ihr vertraut, eurem Hausarzt oder einer psychotherapeutischen Praxis.
TelefonSeelsorge Deutschland: 116 123 – kostenlos und rund um die Uhr.
Bei unmittelbarer Gefahr: 112
Hilfe zu brauchen macht euch nicht weniger wertvoll.

Ihr dürft auch mir schreiben. Ich werde zuhören.