Genossen! Malocher! Schwestern und Brüder!
Ich werde heute keine höfliche Rede halten. Ich werde nicht um den heißen Brei herumreden. Ich werde nicht flüstern, wo man schreien muss.
Also: Hört mir zu.
Das Land liegt in Schutt und Asche. Die Front verschiebt sich in die Werkshallen und auf die Baustellen des Landes.
Der Wiederaufbau steht an.
Ihr schuftet. Ihr schweißt, hämmert, tragt. Ihr stellt Eure Hände, Euren Rücken, Eure Lebenszeit in den Dienst des Betriebes. Und was bekommt Ihr dafür? 0,12 BTC. Nicht einen Pfennig mehr.
Und wisst Ihr, was gleichzeitig im Hinterzimmer auf dem Tisch liegt? 0,125 BTC als Mindestlohn. Das ist der Boden des Anstands, den selbst jene anerkennen, die dem Arbeiter sonst nicht wohlgesonnen sind. Und Herr DAvis, dieser großzügige, patriotische, ruhmreiche https://app.warera.io/user/69a14b324d2abd93de74dc0a, zahlt Euch darunter.
Ich sage es noch einmal, damit es sich in Eure Ohren brennt: Er zahlt Euch weniger als das gesetzliche Minimum des Anstands.
„Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Essen,
bitte sehr! Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt, das schafft kein
Essen her."
Bertolt Brecht, Das Einheitsfrontlied, 1934
Kein Geschwätz schafft Essen her. Kein Patriotismus zahlt die Miete. Keine Fanfare füllt den Magen Eurer Kinder.
Aber Herr DAvis hat eine Antwort auf alles. Er spendet! Er gibt dem Staat! Er baut Militäreinheiten auf! Er steht strahlend in der Zeitung und lässt sich als Helden des Vaterlandes feiern. Und wenn Ihr fragt, woher das Geld kommt, dann fragt er: Welches Geld?
Eures. Das Geld, das er Euch jeden Tag, jede Woche, jeden Monat unter dem rechten Lohn vorenthält. Er schmückt sich mit Eurer Armut. Er kauft sich Ruhm mit Eurem Hunger. Lassalle hat dieses Spiel schon vor Generationen beim Namen genannt:
„Das eherne Lohngesetz, welches unter den heutigen Verhältnissen den
Arbeitslohn bestimmt, ist dies: daß der durchschnittliche Arbeitslohn
immer auf den notwendigen Lebensunterhalt reducirt bleibt."
Ferdinand Lassalle, Offenes Antwortschreiben, 1863
Reduziert. Auf das Nötigste. Immer. Systematisch. Das ist kein Zufall. Das ist Methode. Und Herr DAvis wendet diese Methode mit besonderer Sorgfalt an.
Nun könnte man sagen: Beschwert Euch! Schreibt einen Brief! Bittet höflich um Besserung!
„Hier wird nicht gemeckert, hier gibt es Dampf, denn unsre Parole
heißt Klassenkampf! Wir betteln nicht um mehr Gerechtigkeit! Wir stehn
zum entscheidenden Angriff bereit!"
Erich Weinert, Roter Wedding, 1929 (Musik: Hanns Eisler)
Wir betteln nicht. Wir fordern. Und wer nicht fordert, bekommt nichts.
Darum rufe ich Euch heute zu zwei Dingen auf - laut, klar, und ohne Zögern:
Am kommenden Sonntag legt Ihr die Arbeit nieder. Keine Entschuldigung. Kein „vielleicht". Kein „ich schaue mal". Die Hallen bleiben kalt. Die Maschinen schweigen. Und wenn jede Schicht still ist, jede Presse stumm, jeder Ofen kalt — dann, Genossen, dann hat Herr DAvis plötzlich Zeit für ein Gespräch. Wir fordern mindestens 0,123 BTC. Nicht als Geschenk. Als das, was Euch gehört.
Aber wie bekomme ich beim Streik Brot auf den Tisch?Solidarität. Statt zu arbeiten schreibt ihr kommenden Sonntag einen Artikel, in dem ihr ausführt warum ihr mehr Wert seid als dieser Hungerlohn. Nutzt die Energie und steigert den Widerstand in den besetzten Gebieten, verschwendet nichts!
Organisiert euch, gründet eine Gewerkschaft. Heute noch. In diesen Hallen. Denn der Streik ist der Blitz — die Gewerkschaft ist das Fundament, auf dem Ihr steht, wenn der Sturm vorbei ist. Allein seid Ihr ein Funke. Zusammen seid Ihr das Feuer, das keine Fabrik löscht. Und wer euch dabei hilft sind die Genossen der https://app.warera.io/party/69ac54ef5f0eac1a1ef089d1.
„Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront, weil du auch ein Arbeiter
bist!"
Bertolt Brecht, Das Einheitsfrontlied, Refrain, 1934
Weil du auch ein Arbeiter bist. Nicht weil Du besonders kühn bist. Nicht weil Du keine Angst kennst. Sondern weil Du arbeitest und weil Deine Arbeit einen Wert hat, der größer ist als der, den Herr DAvis Dir zuzugestehen bereit ist.
Und wenn man Euch fragt, warum Ihr streikt, wenn die Zeitungen schreiben, Ihr seid undankbar, Ihr gefährdet die Kriegsbemühungen, Ihr schadet dem Vaterland, dann antwortet ruhig und deutlich:
„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder, zum Lichte empor! Hell aus
dem dunklen Vergangen'n leuchtet die Zukunft hervor!"
Leonid Radin (russ. Original, 1897) · dt. Übertragung Hermann Scherchen (1914)
Die Zukunft gehört nicht den Fabrikherren mit ihren Spenden und ihren Orden.
Die Zukunft gehört denen, die arbeiten. Und die wissen, wann sie aufhören müssen zu arbeiten.
Links, links, links, die Maschinen schweigen am Sonntag!
Rot Front!